Text

Eine lose Auswahl an Texten und Geschichten:

Geh zu ihr. Beiße sie ins Kinn. Wirf ihre Handtasche aus dem Fenster und sing dabei die Internationale. Aber auf Esperanto und rückwärts. Wenn sie lacht, küsse sie. Wenn sie dir eine scheuert, lache, wenn sie dann lacht, küsse sie. Oder scheuer ihr eine. Oder beides. Das, mein Junge, ist künstlerische Freiheit.

Ich habe einen Papagei gekauft. Er bringt mir jetzt sprechen bei. Ich bin nämlich sehr schüchtern. Ich hab bis zum heutigen Tag noch kein einziges Wort gesprochen. Ich trau mich einfach nicht. Meine Mama sagt immer, das macht nix, ich bin trotzdem groß geworden. Und sie hat recht. Und jetz hab ich mir gedacht, probier ich`s mal auf die Tour.

Den Herrgott einen guten Mann sein lassen – ein semiagnostischer Denkanstoß: Ich weiß, was gute Menschen meinen, die überzeugt gläubig sind, wenn sie von Gott sprechen. Und ich kann sie die Faszination des Lebens auch guten Gewissens als Gott bezeichnen lassen, schließlich geh ich ja auch nicht an Weihnachten zu meiner kleinen Nichte um ihr zu sagen, dass es das Christkind gar nicht gibt.

Heilige Maria, Mutter Gottes! Bist du`s wirklich? Aber was machst du in einem Nutellaglas? Ist dir das nicht zu eng? Außerdem – meistens stehst du doch im Kühlschrank… Das Licht geht wirklich aus, wenn die Tür… Ja, ich weiß es eh selber. Ich wollte nur die Gewissheit, durch echtes Insider-Wissen. Und sonst? Warum ausgerechnet Nutella? Willst du mir damit was sagen? Soll ich meine Seele für Nestlé opfern oder eine Kirche aus Haselnüssen bauen? Gib mir einen Tip. So süß und fett wie du es gerne hast… Ok… dann müssen wir bei unserer Krippe daheim eine kleine Änderung vornehmen. Unser Josef passt dann so gar nicht in dein Beuteschema. Nein eh, aber – da bin ich dann einfach manischer Naturalist, wenn ich es besser weiß, dann stört mich das furchtbar. Das muss ich ändern. Aber das ist eh schnell geschehen. Ja eh, eigentlich ist er nur ein irdischer Platzhalter Gottes. Und Gott ist wirklich süß und fett. Aber so richtig. Wie Nutella.

Am Zahn der Hexe Medusa kleben Brotreste und diskutieren über Umverteilung. Sie finden alle, dass es so wie es jetzt ist nicht bleiben kann, aber die Lösungsansätze sind doch divergent. Wütend und verärgert gehen daraufhin die einzelnen Krümelparteien auseinander und verstecken sich im weit verzweigten Mundhöhlensystem der Hexe. Ihr ist das alles egal. Die einzelnen Parteien sammeln nun Anhänger, bilden Soldaten aus und machen immer wieder durch Entführungen, Ermordungen oder Karies-Kommandoaktionen auf sich aufmerksam. Es folgt ein langer, erbitterter Krieg der Maulhelden-Milizen, der leider wie so oft auch am Zungenrücken der Bevölkerung ausgetragen wird. Und – mittlerweile kann es auch der Hexe Medusa nicht mehr egal sein, zu tief sitzt der Schmerz. Ein böser, fremder Mann taucht auf und bezeichnet sich als Zahnarzt. Er versucht, mit Drohnenangriffen im Kiefergebiet der Hexe das Problem zu lösen, doch außer Schmerzen und Kosten ändert sich nix. Die Uno schickt zwar dann noch einen Trupp Blauhelme, aber die passen der Hexe trotz ein paar anfänglicher, zaghafter Bemühungen einfach nicht in den Mund. Jetzt stehen sie außen um die Hexe herum, achten drauf, dass der Konflikt regional begrenzt bleibt und spielen viel Karten.

Zwetschken dörren. Für die ganzen Krampusse. Auch keine leichte Arbeit. Aber man kann ganz passabel davon leben. Heute zum Beispiel hab ich 2 Überstunden gemacht, weil eine kleine Giraffe über unser Förderband getrabt ist – und bis der ganze Schaden behoben und alles wieder in Ordnung war, das hat gedauert. Da konnte die Geschäftsleitung auch schlecht nein sagen. Unsere Zwetschken kommen von überall her auf der Welt, aber vor allem aus der Türkei, aus Afghanistan und New York. Aber soweit ich weiß, bilden sie meistens Fahrgemeinschaften. Also kein Grund für die linken Öko-Futzis, schon wieder unnötig auf die Barrikaden zu gehen. In unserer Kantine haben wir 2 Kaffeemaschinen. Eine von Saeco und eine von Nestle. Eine für Tabs und eine für Pads. Ich trinke immer von den Tabs. Die kriegt meine Frau nämlich günstiger über ihre Firma im Großhandel. Und geschmacklich merk ich echt keinen Unterschied. Beides halt ein bissl Aluminium. Aber was soll man machen. Man muss halt mit der Zeit gehen. Dazu ess ich meistens ein Joghurt. Am liebsten dieses Fruchtcocktail-Joghurt, wenns das gibt.Wir haben nämlich einen Snackautomaten in der Firma. Der ist cool. Aber das Fruchtcocktail-Joghurt ist immer ganz schnell aus. Danach Pfirsich-Melba. Danach die Skittles. Danach dann – ziemlich zeitgleich im Normalfall – Vanille-Joghurt und das Schinken-Käse-Sandwich. Und so weiter. Ich will sie jetzt nicht langweilen. Aber es gibt eine fixe Reihenfolge. Immer die selbe. Sogar die grausige Toblerone wird zum Schluss meistens komplett aufgegessen, bevor der Servicemann zum Nachfüllen kommt. Obwohl die wirklich NIEMAND mag. Und weil immer alles weg ist, füllt der Servicemann uns immer alles wieder nach. Dabei wollen wir doch eigentlich am Liebsten alle nur das Fruchtcocktail-Joghurt.

Zwei garstige Straßenkinder. Mitten im Achten. Pöbeln Menschen an. Essen Tauben. Oder Pommes. Kein Mensch hat sie je in den Arm genommen. Sie sind am Pfingstsonntag einer eitrigen Zahnwurzel entstiegen. Seither werden sie polizeilich gesucht und von ihrer Mutter verabscheut. Is ja auch kein Spaß, wenn du den ganzen Tag schon Zahnweh hast und dann steigen dir 2 dreckige Straßenkinder ausm Gesicht. Da tät ich mir auch schwer mit Mutterliebe. Haben nicht gegrüßt, nur gefragt, ob sie ein paar Euro fürn Mäkki haben können und wo`s am Südbahnhof geht. War auch eine schwere Aufgabe für die Mutter, den Beiden erklären zu müssen – es gibt keinen Südbahnhof mehr. Sie hat ihnen einen Tourplan von den Vienna-Citysightseeing-Bussen mit auf den Weg gegeben und jedem einen Apfel – mehr konnte sie nicht tun für die Beiden. Irgendwann musste sie auch wieder an sich denken. Die Arbeit hat auch nicht ewig Verständnis für Herumgezicke von den Mitarbeitern. Drum hat sie schnell am Dienstag Vormittag freigenommen, eine schamanistische Ausleitung machen lassen und dann ein Taxi genommen, damit sie ja bis zur Mittagspause wieder zurück ist. Weil eine Mittagspause versäumt man immer besonders ungern. Der Chef hat`s nicht gemerkt, der war dann eh die ganze Woche auf Urlaub. Am Plattensee. Mit seiner Frau. Und in Budapest. Mit seiner Geliebten. Und am Weg dazwischen noch 2x kurz im Puff. Bei wem, weiß er nicht. Ist ihm auch egal. Solang die Qualität stimmt.

Eidechsen laufen oft sehr ferngesteuert durchs Leben. Aber bisher zumeist eher 2-dimensional. Nun haben Forscher aus Brasilien aber eine neue Spezies entdeckt, die diese Lücke der Evolution zu schließen scheint. Die Schmarren-Eidechse lebt in und um Patagonien und ist die bisher einzige Vertreterin der Echsenfamilie, die tatsächlich fliegen kann. Sie lebt auf Bäumen, in Höhlen und kommt bis in die unwirtlichsten Gegenden der Patagonischen Wüste. Sie lebt als Einzelgänger und bringt nur 2x jährlich zur Paarungszeit ein annähernd als sozial zu bezeichnendes Verhalten an den Tag. Die Männchen lauern dann einfach den Weibchen auf und vergewaltigen sie. Durch ihre Größe und physische Dominanz sowie ihrer asozialen, individual-egoistischen Lebensweise, setzen sie sich patriarchisch bestimmend über die Weibchen hinweg, halten diese fest bis sie ihren Samen ins Geschlecht des Weibchens gepresst haben. Besonders auffallend ist der Männchen-Überschuss der Spezies. Anders als bei anderen Tierarten ist die Geburtenrate zwischen Männchen und Weibchen nicht annähernd gleichverteilt. Es werden etwa 5x so viele Männchen wie Weibchen geboren. Die Forscher vermuten dahinter einen Teilgrund des asozialen, aggressiven Verhaltensmusters und nennen es den Lame-Party-Effekt.

Ein Teppichhändler aus der Südtürkei sieht mich und das Geschäft seines Monats auf sich zukommen. Natürlich hat er einen fliegenden Teppich. Er setzt sich drauf – und tatsächlich. Er hebt ab und fliegt ein paar Mal durch den Raum. Ich nehme den Teppich und fliege damit auf der Stelle in die Südtürkei. Er bleibt traurig und wehmütig mit meinem Ersparten in Wien zurück.